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Technologietransfer nach Bauplan

Technologietransfer nach Bauplan
Autor:

Anke Schmitz

Links:
Quelle:

Research to Business Kunden-Newsletter Innovation KIT

Datum: 05.01.2012

Technologietransfer nach Bauplan

Der Software-Simulator PALLADIO von Prof. Ralf Reussner zeigt, wie erfolgreich Technologietransfer auf Open-Source-Basis sein kann.

 

„Am Anfang stand die Beobachtung, dass Software-Entwickler nach dem Trial-and-Error-Verfahren arbeiten“, erzählt Professor Ralf Reussner, der den Lehrstuhl für Software-Entwurf und -Qualität am KIT leitet. Das sei vergleichbar mit dem Brückenbau: „Wenn Ingenieure eine Brücke bauen, dann setzen sie nicht einfach Stein auf Stein, lassen anschließend einen LKW darüber fahren und hoffen, dass die Brücke hält.“ Stattdessen verwenden sie Simulationsmethoden, um Statik und Bauweise zu berechnen. Simulationsprogramme am Computer liefern verlässliche Rahmenbedingungen für Architekten und Bauleiter.

„Diese ingenieurwissenschaftliche Vorgehensweise wollte ich auf die Softwaretechnik übertragen“, so Reussner. Sein Konzept von 2003, die Vorab-Simulation bei der Entwicklung von Software einzusetzen, war wissenschaftliches Neuland. Über 400.000 Zeilen Code und sieben Jahre später ist das Konzept zum Open-Source-Produkt mit dem Namen PALLADIO geworden. Benannt nach dem berühmten Architekten Andrea Palladio soll es Programmierer bei der Entwicklung verlässlicher, nachhaltiger und komplexer Software unterstützen.
Reussner engagiert sich neben der Professur am KIT auch am FZI Forschungszentrum Informatik, das sich um den Technologietransfer von IT-relevanten Themen aus dem KIT kümmert. Seine Teams an KIT und FZI arbeiten eng zusammen und haben PALLADIO in verschiedenen Kooperationsprojekten mit Industrie- und Dienstleistungsunternehmen in unterschiedlichen Branchen erfolgreich eingesetzt. Das Ergebnis: „Wir können bestehende Software-Architekturen wie einen Patienten durchtesten und diagnostizieren, ob und was ihm fehlt“, erklärt FZI-Abteilungsleiter Klaus Krogmann. Die Analyse der Software-Architektur funktioniert verlässlich, sie liefert Erkenntnisse über die nicht-funktionalen Eigenschaften wie die Abläufe in den Komponenten und Subkomponenten, die Skalierbarkeit, Ressourcennutzung und Verteilungsaspekte – der komplette „Grundriss“ der Software wird überprüft.

 

Prof. Ralf Reussner

Prof. Ralf Reussner (Foto:KIT)


Vor allem in sehr komplexen Softwaresystemen oder in Anwendungen mit hohen Qualitätsanforderungen kann der Architektursimulator überraschende Ergebnisse liefern. Besonders Unternehmen mit ausgeprägter IT-Struktur erhalten damit die Möglichkeit, eine verbesserte Qualitätssicherung durchzuführen und die Effizienz bei der Erstellung performanter  und zuverlässiger Software zu erhöhen. Entsprechend interessiert reagieren Firmen auf Reussners Ansatz: „Wir haben PALLADIO mit sehr guten Ergebnissen zur Analyse bei der Entwicklung des Hinweis- und Informationssystems (HIS) der deutschen Versicherungswirtschaft eingesetzt“, sagt Christian Popp, Leiter IT im Geschäftsbereich Risk Management bei arvato infoscore. Technologietransfer findet im Fall „Wir bieten Industrie- und Dienstleistungsunternehmen ingenieurmäßiges Vorgehen für die Software-Entwicklung.“ Professor Ralf Reussner von PALLADIO über den Transfer von Know-how und Beratungsleistungen für die Nutzer statt. Die aktuellen Kooperationen mit vielfältigen Industriepartnern, bei denen PALLADIO den Weg in die Unternehmen findet, ist für Professor Reussner nur eine Zwischenstation: „Wir wollen schon bald den Schritt Richtung Unternehmensgründung aus dem KIT gehen.“