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100% Frauenquote

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Autor:

Isabel Aha

Datum: 23.04.2012

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Fünf Slammerinnen, darunter eine Informatikerin, verwandeln den Science Slam Karlsruhe in den 1. Girls’ Slam.

Der große Saal im Jubez war gerammelt voll. 330 Zuschauer verteilten sich auf den Stühlen und sogar auf dem Boden als beim ersten deutschen Girls’ Slam am 19.04.2012 fünf Wissenschaftlerinnen die Bühne rockten bzw. slammten. Angereist aus ganz Deutschland stellten Eugenie, Carola, Christiane, Giulia und Magie in 10-minütigen Kurzvorträgen ihre Forschungsprojekte vor. Einziges Kriterium dabei: die wissenschaftlichen Inhalte sollten so unterhaltsam wie möglich verpackt werden. Wie auch beim Poetry Slam wurden die Darbietungen der Mädels durch eine Jury im Publikum bewertet.

Die Reihenfolge der Auftritte wurde ausgelost, den Anfang machte Computerlinguistin Eugenie vom Forschungszentrum Informatik in Karlsruhe. Sie zeigte dem Publikum, wie durch Textanalyse Ministerkarrieren beendet werden können und dass es eine Saison für Politiker-googeln zu geben scheint. Anschließend kam Carola von der Universität Göttingen auf die Bühne und erklärte, was englische Literaturwissenschaften des 19. Jahrhunderts eigentlich mit Johnny Depp und den Bis(s)-Romanen zu tun haben. Weiter ging es mit James Bond aka Christiane aus Münster, die sich mit musikalischer Kryptographie beschäftigt und einen Geheimcode aus Noten entwickelt hat. Startnummer 4 war Giulia von der Goethe-Universität Frankfurt, die den Zuschauern demonstriert hat, wie viel Charme eigentlich der Darm hat und dass sich das Studienfach Medizin gut für Kaffeekränzchen eignet. Last but not least trat mit Magie vom Karlsruhe Service Research Institute eine weitere Lokalmatadorin auf. Die Amerikanerin beschäftigt sich in ihrer Doktorarbeit damit, welche Faktoren uns zufriedener machen und ob es vielleicht mehr Toiletten sind, die dabei helfen.

Nach zweieinhalb Stunden guter Unterhaltung mit den fünf Girls wurde am Ende Giulia vom Publikum zur Siegerin des ersten Girls’ Slam gekürt. Die Medizinstudentin konnte mit ihrer lustigen Präsentation zur Funktionsweise unseres Verdauungsorgans überzeugen und darf sich über das Wandermikrofon sowie ein Jahresabo der Zeitschrift Geo freuen. Alle Teilnehmerinnen erhalten außerdem ein professionelles Moderatorentraining des SWR.

Der nächste Science Slam Karlsruhe am 27. November 2012 findet wieder in gewohnter Form, aber mit hoffentlich mehr weiblicher Beteiligung, statt. „Bei allen Science Slams stellen männliche Wissenschaftler die Mehrheit auf der Bühne. Das musste sich ändern!“, so Falko Brinkmann, Initiator des Science Slam Karlsruhe. „Aus diesem Grund entstand die Idee des Girls‘ Slams, eine Woche vor dem deutschlandweiten Girls‘ Day.

Wir hoffen den Karlsruher Studentinnen und Forscherinnen Mut gemacht zu haben, in Zukunft unsere Bühne zu nutzen.“
 

Eines der fünf Mädels, die ihre Projekte beim ersten deutschen Girls’ Slam zum Besten gaben, war Eugenie Giesbrecht, die am Forschungszentrum Informatik im Bereich Information Process Engineering promoviert. Nach ihrem Auftritt beim Girls’ Slam haben wir ihr ein paar Fragen gestellt:

Eugenie Giesbrecht beim Girls' SlamWie war der Auftritt beim Girls’ Slam für Dich? Es war das erste Mal, dass ich so etwas gemacht habe und ich war ziemlich nervös. Als Wissenschaftlerin ist man zwar gewohnt, dass man sein Forschungsprojekt präsentieren muss, aber das möglichst kurzweilig und lustig zu machen, war doch etwas anderes. Aber es hat sehr viel Spaß gemacht.

Du bist nicht von Haus aus Informatikerin, wie war dein Weg in die Informatik? Auf Rat meiner Eltern habe ich in Russland zuerst ein Studium der Sprachwissenschaften absolviert, eben etwas typischerweise eher für Mädchen. Aber eigentlich habe ich mich schon immer für Naturwissenschaft und Technik interessiert. In Deutschland habe ich dann noch Kognitionswissenschaften in Osnabrück studiert, da mischen sich Fachbereiche wie Psychologie, Linguistik mit Mathe, Biologie und Informatik; das war perfekt, um meine Interessen zu vereinen. Innerhalb des Studiums habe ich mich dann auf Computerlinguistik spezialisiert und forsche seit 2008 auch in diesem Bereich am Forschungszentrum Informatik in der Gruppe von Prof. Rudi Studer. 

Denkst Du, dass interdisziplinäre Fächer, die Technik/Naturwissenschaften z.B. mit Humanwissenschaften verbinden, eine Möglichkeit ist, mehr Mädchen für solche Bereiche zu begeistern?
Auf jeden Fall, viele Mädchen haben breitgefächerte Interessen, also sowohl Mathe, Biologie oder Computer als auch „mädchentypische“ Sachen wie Sprachen und Gestaltung. Studienangebote und Berufsfelder, die beides verbinden, können definitiv ein Einstieg für Mädchen in den naturwissenschaftlich-technischen Bereich sein. Die Informatik beispielsweise lässt da sehr viel Gestaltungsspielraum: man kann in fast allen Branchen arbeiten, denn Informatik steckt heutzutage nahezu überall dahinter und ist an sich auch sehr vielfältig. Von Computergrafik über Medizininformatik oder Computerlinguistik, fast alle Interessen können hier vereint werden. Ein gewisses Grundinteresse an Technik sollte aber natürlich schon vorhanden sein. 

Warum gibt es deiner Meinung nach trotz einiger Initiativen in den letzten Jahren immer noch so wenig Frauen bzw. Mädchen, z.B. in der Informatik? Meiner Erfahrung nach trauen sich die meisten viel zu wenig zu und denken, dass sie ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium nicht schaffen können. Möglicherweise stecken da teilweise immer noch alte Rollenmuster dahinter, die Mädchen vermitteln, dass Mathe und Technik eher was für Jungs ist und Mädchen nicht so liegt. Das kann natürlich das Selbstbewusstsein von Mädchen von vorneherein schwächen.

Können Veranstaltungen wie der Girls’ Slam bzw. der Science Slam dazu beitragen, Berührungsängste gegenüber Informatik und Naturwissenschaften, vor allem bei Mädchen, abzubauen? Ja, ich denke schon, denn solche Veranstaltungen bringen zum einen die wissenschaftlichen Sachverhalte verständlich an das Publikum, zum anderen zeigt man aber auch, dass Wissenschaft unterhaltsam präsentiert werden kann und dass hinter den wissenschaftlichen Projekten ganz normale Typen stecken. Denn Vorurteile gegenüber dem Forscher/der Forscherin als Typen gibt es ja auch noch oft.

Was gibst Du Mädchen mit auf den Weg, die jetzt vor der Entscheidung für ein Studienfach stehen? Mädels, hört auf Eure innere Stimme und traut Euch was zu! Es lohnt sich eigentlich immer!