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Preis für visionäre Kommunikation

Preis für visionäre Kommunikation
Autor:

Isabel Aha

Links:
Datum: 09.11.2012

Preis für visionäre Kommunikation Logo Lauffeuer

Studierenden-Team belegt mit Projekt Lauffeuer den 2. Platz beim Zukunftspreis Kommunikation.


Studentische Projekte laufen normalerweise nach einem ähnlichen Muster ab: Projekt steht fest, Dozent gibt konkrete Problemstellung vor, Studierende suchen Lösung darauf.
Für Chau Nguyen, Philipp Serrer, Vitali Kaiser und Tobias Sturm war die Aufgabenstellung im Rahmen des Praktikums „Praxis der Softwareentwicklung“ (PSE) im WS 2011/2012 jedoch konkret unkonkret: Findet eine universelle Fragestellung, die für viele Menschen von Bedeutung ist und sucht eine Antwort, die auf moderner Technologie beruht.
In der Zwischenzeit sind Problem gefunden, Lösung entwickelt, Preise abgeräumt. Nach dem zweiten Platz beim Microsoft Imagine Cup haben die Vier mit ihrer Anwendung Lauffeuer, die dezentrale Kommunikation mit Smartphones ermöglicht, nun auch den 2. Preis beim Zukunftspreis Kommunikation des DVPT gewonnen.

Keine Region der Welt ist vor Natur- und Umweltkatastrophen sicher. Aktuelle Beispiele wie der Wirbelsturm Sandy an der Ostküste der USA zeigen, dass innerhalb kürzester Zeit auch Gebiete mit modernster technologischer Infrastruktur völlig von der Außenwelt abgeschnitten sein können. Dabei ist das Bedürfnis der Menschen nach Kommunikation in Krisenzeiten noch größer als im normalen Alltag. Manche brauchen noch akut Hilfe, manche möchten erfahren wie es Familie und Freunden geht oder Angehörigen Bescheid geben, dass es ihnen gut geht. An diesem Bedürfnis nach Verständigung setzt Lauffeuer an. Die Anwendung ermöglicht es, in Notsituationen zwischen einzelnen Smartphones, Tablets oder Laptops ein dezentrales, spontanes Netzwerk zu bilden, über das man Nachrichten zustellen kann. Kleine Texte werden so von Personen in der näheren Umgebung über mobile Geräte solange weitergereicht bis sie den Empfänger erreicht haben.
Technisch bedeutet das, dass ein Lauffeuer Benutzer eine Nachricht verfasst, diese wird auf z.B. auf seinem Smartphone gespeichert. Innerhalb des Krisengebiets werden sich Benutzer zufällig begegnen. Die Geräte der beiden Benutzer können sich miteinander via Bluetooth oder AdHoc-WiFi verbinden um Mitteilungen austauschen. Beide Geräte senden alle gespeicherten Nachrichten an das jeweils andere und speichern alle empfangenen Nachrichten. Jeder Benutzer wird somit zum Nachrichtenzwischenspeicher und -zusteller. Bildlich gesprochen breiten sich Nachrichten wie ein Lauffeuer vom Sender aus, bis sie den Empfänger erreichen.

Mit Lauffeuer können Nachrichten je nach Bedürfnis in verschiedenen Szenarien verschickt werden. Mit sog. privaten Messages können gezielt Nachrichten an einzelne Empfänger versendet werden. Beim Adressaten kann es sich um einen anderen Lauffeuer-Benutzer handeln, oder aber auch um eine Emailadresse. Die Nachricht wird verschlüsselt und kann von niemandem außer dem Empfänger selbst gelesen werden. Um wiederum so viele Menschen wie möglich zu erreichen, eignen sich öffentliche Nachrichten, die von allen Netzwerkteilnehmern gelesen werden können. Viele Menschen werden während Katastrophen getrennt und können sich erst nach mehreren Tagen wiederfinden. Lauffeuer bietet daher eine spezielle Form von Nachricht, die vom Gerät eines suchenden Benutzers im Netzwerk verteilt wird bis sie das Gerät des Vermissten erreicht. Beim Empfang wird automatische eine Antwort generiert, die einen Ortsangabe (GPS) und die aktuelle Uhrzeit enthält. So kann die Suche nach Vermissten sehr viel zielgerichteter und schneller ablaufen. Zeit, die in Katastrophenfällen viel ausmachen kann.

Neben der lebenswichtigen Kommunikationsmöglichkeit innerhalb des Krisengebiets, ist für die Betroffenen oftmals auch das Erreichen von Familien und Freunden bedeutend, die weit entfernt leben. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass eine Nachricht in akzeptabler Zeit einen weiten (z.B. interkontinentalen) Weg zurücklegen wird. Das System bietet daher auch eine Server-Komponente, die Nachrichten via Email weiterleiten kann.  Sobald ein Benutzer wieder über einen Internetzugang verfügt – sei es, weil die Netzwerkinfrastruktur stellenweise noch intakt ist, oder der Benutzer das Krisengebiet verlässt – werden alle Nachrichten, die der Benutzer auf seinem Gerät mit sich trägt, auf den Server hochgeladen und versendet.
Prinzip von Lauffeuer
Nachrichtenzustellung innerhalb (grün) und außerhalb des Krisengebiets (Abbildung Lauffeuer)


Der aktuelle Stand der Entwicklung umfasst einen Prototypen für das Windows Phone 7 und Laptops unter dem Betriebssystem Windows. Zukünftig denkbar sind auch Apps und Software für andere Plattformen wie iPhone, Android, Symbian, Mac OS und weitere.
Ziel ist ein möglichst umfassendes Netz an Lauffeuer-Usern, sodass möglichst viele Benutzer dazu beitragen, Nachrichten zuzustellen.
Das Projekt-Team besteht aus Chau Nguyen, Philipp Serrer, Vitali Kaiser und Tobias Sturm, allesamt Studierende der Informatik im 5. Semester am KIT. Entwickelt wurde die Anwendung im Rahmen des Praktikums  „Praxis der Softwareentwicklung“. Das PSE-Praktikum wird von mehreren Lehrstühlen der Fakultät für Informatik angeboten. Ziel ist es, in Kleingruppen Softwareprojekte zu realisieren.

Der Zukunftspreis Kommunikation ist ein studentischer Wettbewerb, der jedes Jahr vom Deutschen Verband für Post, Informationstechnologie und Telekommunikations e.V. (DVPT) veranstaltet wird. Zentrale Fragestellungen drehen sich um Visionen zukünftiger Kommunikationsformen und die einfache und sinnvolle Nutzbarkeit von Technologien.