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Ehrlichkeit zahlt sich aus

Ehrlichkeit zahlt sich aus
Autor:

Julia Braun

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Datum: 06.11.2012

Start-up Honestly

Ehrlichkeit zahlt sich aus

Geschäften die Meinung sagen leicht gemacht: Das Karlsruher Start-up Honestly ermöglicht anonymes Direkt-Feedback via Smartphone-App.


Vier Studenten – eine Idee
„Dass es so schnell geht, hätten wir nicht gedacht“, antwortet Sven Bläse, Diplom-Informatik-Absolvent des KIT, Mitbegründer und Geschäftsführer von Honestly, auf die Frage, ob die Gründer des Start-ups eine derart rasche und erfolgreiche Entwicklung ihres Unternehmens erwartet haben.
Nachdem die Idee zu einem eigenen Unternehmen den Gründern schon einige Zeit im Kopf herumspukte, kam die Unternehmensgründung im April 2011 zustande. Seit August 2012 ist Honestly eine eingetragene GmbH, beschäftigt mehr als 10 Mitarbeiter und hat sich inzwischen so gut entwickelt, dass das Unternehmen zur Hauptbeschäftigung der Gründer geworden ist.
Gründungsteam von Honestly

Das Gründungsteam (v.l.n.r.): Mateo Freudenthal, Sven Bläse, Sebastian Wenzel und Pasccal Klein (Bild: Honestly)


Die vier Gründer ergänzen sich in ihren Fähigkeiten – Sven Bläse und Sebastian Wenzel sind Informatiker, Mateo Freudenthal und Pascal Klein Wirtschaftsingenieure, die alle am KIT studiert und sich auch dort kennen gelernt haben. Ihre gute Zusammenarbeit ist ein Grund für ihren Erfolg. Allerdings hat ihnen auch Unterstützung von außen geholfen: Das vielversprechende Start-up wird gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, von den Europäischen Sozialfonds für Deutschland, von den exist Existenzgründungen aus der Wissenschaft und von der Europäischen Union.
Auch am KIT wurden die vier Gründer unterstützt: Prof. Dr. Andreas Oberweis vom Institut für Angewandte Informatik und Formale Beschreibungsverfahren (AIFB) sowie das Forschungszentrum Informatik (FZI) gaben den damaligen Studierenden Hilfestellung.

Die Idee
„Wir wollen dem Kunden die maximale Ehrlichkeit entlocken“, bringen Sven Bläse und Sebastian Wenzel ihre Geschäftsidee auf den Punkt. Entscheidend ist bei Honestly nicht, dass die Feedbacks verallgemeinert und als repräsentativ verstanden werden können, sondern, dass das Feedback individuell, subjektiv, schnell, anonym und unmittelbar erfolgt, ohne eine Zwischeninstanz. Auf diese Weise erreicht die Rückmeldung den Geschäftsführer direkt und ohne zusätzliche Angaben. Der Geschäftsführer kann jeden Gast direkt kontaktieren und ihn genauer zu seiner Meinung befragen – der Gast bleibt auch im Falle von Kontakt mit dem Geschäftsführer oder Unternehmer anonym, da die Nachrichten an ihn über eine zufällig zugeteilte Kennung geschickt werden. Der Feedbackgeber muss sich nicht anmelden und somit weder Name noch Handynummer oder E-Mail-Adresse preisgeben.


Ein Danke fürs Feedback
Als zusätzlichen Anreiz für den Kunden, Feedback über Honestly zu geben, haben einige Unternehmen eine Art Belohnungssystem eingerichtet: Wer im Badisch Brauhaus in der Stephanienstraße seine Meinung via Honestly abgibt, bekommt einen digitalen Gutschein für ein Heißgetränk; wer bei Dean&David am Europaplatz Feedback gibt, bekommt eine kleine Fingerpuppe. Das ist gleich doppelte Kundenbindung: Der Kunde kann unverblümt und vollkommen anonym eine Rückmeldung geben, womit er dem von ihm besuchten Unternehmen so die Chance gibt, sich zu verbessern – und bekommt als Dank noch ein kleines Geschenk, welches das Unternehmen zusätzlich sympathisch macht.


So funktioniert HonestlyTischaufsteller bei Honestly
Von gut sichtbar im Unternehmen aufgestellten kleinen Tafeln kann ein QR-Code mit dem Smartphone gescannt werden, durch den der Kunde direkt zu einem Feedback-Formular geleitet wird. Alternativ kann auch eine Kurz-URL eingegeben werden oder eine Verbindung per Near Field Communication (NFC) über die Honestly-App hergestellt werden. Das Feedback wird anonym und ohne Anmeldung vom Kunden ausgefüllt und sofort an den Unternehmer gesendet. Der Unternehmer kann sich zusätzlich zu den Feedback-E-Mails auch online Berichte und Echtzeit-Statistiken zu seinem Feedback ansehen, wobei er dafür kein Programm installieren muss.


Das Besondere an Honestly
Im Gegensatz zum Berliner Start-up „reqorder“ setzt das Karlsruher Start-up „Honestly“ gezielt auf nicht-öffentliches Feedback, das ohne Umwege anonym vom Gast zum Geschäftsführer gelangt. Die App richtet sich an Unternehmen aller Art, von Restaurants und Bars über Messen bis hin zu öffentlichen Einrichtungen wie Behörden oder Arztpraxen. So hat Honestly beispielsweise für die IT-Messe Cloud Zone, die vergangenen Mai in der Messe Karlsruhe stattfand, die Besucherbefragung durchgeführt.
Das erste Unternehmen, das den Service von Honestly in Anspruch nahm, ist das Restaurant Enchilada am Karlsruher Ludwigsplatz. Mittlerweile wird die ehrliche App unter anderem auch vom Imbiss Nordsee, dem Restaurant Marktlücke, der Messe Karlsruhe und der Metzgerei Sack in Anspruch genommen. Doch das erfolgreiche Start-up wird nicht nur in Karlsruhe benutzt: Auch in der Hauptstadt Berlin und mittlerweile deutschlandweit geben Kunden aller Arten von Geschäften „ehrliches“ Feedback über die Karlsruher App.
Ein weiterer bemerkenswerter Punkt an Honestly ist, dass digitales Feedback über jede Einrichtung gegeben werden kann. Das digitale Feedback erreicht Honestly, von wo aus es in die Offlinewelt an das bewertete Unternehmen weitergeleitet wird.  Honestly leitet jedes Feedback weiter, egal, ob das bewertete Unternehmen bereits zu seinem Kundenstamm gehört oder nicht. Honestly-Benutzer können sich also sicher sein, dass ihr Feedback ankommt.


Tipps für zukünftige Start-ups
Wer selbst einmal in die aufregende Welt der Junggründer hineinschnuppern oder sich mit ihnen unterhalten möchte, dem raten Sven Bläse und Sebastian Wenzel, zum „Gründer-Grillen“ zu gehen, das beim Gründer-Café des Center für Innovation & Entrepreneurship (CIE) in dem Glas-Pavillon auf dem KIT-Campus Süd vor dem Gebäude 30.29 in der Engesserstraße 9 stattfindet. Dort kann man sich in entspannter Atmosphäre über Ideen und Projekte austauschen, Geschäftspartner finden oder eigene Ideen entwickeln.
Wem würden Sven Bläse und Sebastian Wenzel zu einem Start-up raten? „Jedem, der seine Ideen verwirklichen möchte.“ Ein guter Zeitpunkt sei das Ende des Studiums, weil man dann noch nicht dem „Luxus des Geldes“ verfallen sei. Wichtig bei einem eigenen Projekt sei „Eigeninitiative, eigener Antrieb und natürlich eine gute Idee“.