Mit besserer Beleuchtung weiter gekommen

  • Autor:

    Simon Brombacher

  • Datum: 23.10.2015

Mit besserer Beleuchtung weiter gekommen

Gefördert und unterstützt durch die Begabtenstiftung Informatik, führen Projektideen von Studierenden oft zu beeindruckenden Erfolgen.

Viele Studierende haben bereits während dem Studium zukunftsweisende Projektideen. Oft fehlen ihnen aber die Mittel und das nötige Netzwerk, um das eigene Projekt voranzutreiben.  
Genau hier hilft die Begabtenstiftung Informatik Karlsruhe. Sie hat es sich auf die Fahne geschrieben, innovative Ideen von Studierenden zu fördern. Die Studierenden werden dabei nicht nur bei der Verwirklichung von eigenen Projekten unterstützt, es werden auch Preise für besondere Leistungen während des Studiums vergeben.
Wer ein Stipendium der Begabtenstiftung Informatik in Anspruch nehmen möchte, der muss eine Bewerbung einreichen und im Anschluss sein Projekt einer Expertenrunde vorstellen. Ist die Bewerbung erst einmal angenommen, wird man auf unterschiedlichste Weise unterstützt. So können die Stipendiaten Konferenzen besuchen und dort neue Inspiration und Unterstützung finden, um das Projekt professionell weiterzuführen. Daneben ist die Begabtenstiftung immer ein Ratgeber, der bei Problemen mit Rat- und Vorschlägen zur Seite steht.

 

Einer der Bewerber ist Tobias Zirr. Nachdem er auf die Begabtenstiftung gestoßen war, wagte er eine Bewerbung und war erfolgreich. Seine Projektvorstellung „Einsatz moderner globaler Beleuchtungsmethoden zur Verbesserung der Visualisierung von Moleküloberflächen und Partikeldaten“ hat die Jury der Stiftung bei der anfänglichen Vorstellungsrunde begeistert. Das große Interesse der Professorenrunde und die lebhafte Diskussion danach bezeichnet Zirr als einen der positivsten Aspekte.
Auf die Idee, sich mit der Problematik der Beleuchtung von Moleküloberflächen und Partikeldaten zu beschäftigen, kam er nicht nur während seiner Arbeit an der Fakultät, sondern auch durch sein Informatikstudium, worin das Thema Beleuchtung in der Visualisierung als offenes Problem diskutiert wurde. Da große Zahlenmengen in Listen- und Tabellenform nur schwer zu erfassen sind, erleichtert eine optimale Visualisierung dieser Daten die Arbeit um ein Vielfaches.
„Die Partikeldaten, im Wesentlichen Kugeln, werden zunächst entsprechend der Bildschirmauflösung in kleine Teile (Pixelgröße) zerlegt, und komprimiert in ein perspektivisch verzerrtes Gitter eingefügt. Aus der Vereinigung aller Teile lässt sich im Anschluss durch Suche der Ränder die Gesamtoberfläche rekonstruieren. Wenn man diese filtert, liefert das eine glatte Oberfläche, mit Hilfe derer dann bekannte Verfahren zur lokalen und globalen Beleuchtungsberechnung adaptiert und angewandt werden können“, beschreibt Zirr sein Vorgehen. Diese Grundlagenarbeit kann später in mehreren Gebieten, z.B. bei der medizinischen Visualisierung von Molekülen oder simulationsbasierter Materialforschung, angewandt werden.
Durch die Förderung der Begabtenstiftung konnte Herr Zirr gleich an zwei Konferenzen teilnehmen, wodurch er Kontakte knüpfen konnte, die für seine Idee und darüber hinaus nützlich waren. So ist zudem eine spontane Zusammenarbeit mit einer Forschungsgruppe vom Max-Planck-Institut in Saarbrücken entstanden. Daneben hat ihm sein Projekt selbst eine Veröffentlichung auf dem „Eurographics Symposium on Parallel Graphics and Visualization 2015“ in Cagliari eingebracht, die auch mit dem dortigen Best Paper Award  ausgezeichnet wurde.

 

Hat die Begabtenstiftung ihm gebracht, was er sich von ihr gewünscht hat?
„Weit mehr als das. Ich hatte mich in erster Linie darauf eingestellt, das Projekt zu bearbeiten. Doch gerade die Konferenz- und Arbeitsgruppenbesuche haben sich ausgezahlt. Eine einmalige Möglichkeit, die ich ohne die Stiftung nicht gehabt hätte“, sagt er.
Wer sich für eine Bewerbung interessiert, dem rät er, interessante offene Probleme in der Informatik zu suchen und seine Ideen darin anzusetzen. „Schwierig ist vor allem der Einstieg, weil die meisten Zweige heute nun mal so weit entwickelt sind, dass es ohne Überblick zunächst schwer sein kann, die entscheidenden Fragen zu erkennen. Heutzutage gibt es viele Möglichkeiten, sich den Überblick anderer zu Nutze zu machen. So hilft es bereits sehr, den Diskurs Anderer mit Ahnung zu verfolgen, sei es in Form von Papers, Vorträgen, Vorlesungen, Diskussionen, Blogs, Tweets oder sonstigem“, meint Zirr. Das verschaffe nicht nur eine Vorstellung der Struktur der Informatik, sondern sei auch eine optimale Vorbereitung auf eine Forschungslaufbahn.
Seit Dezember ist Tobias Zirr wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe für Computergrafik am KIT. Zur Zeit arbeitet er in den Vereinigten Staaten in einer Forschungsgruppe des Grafikprozessoren-Herstellers NVIDIA und konzentriert sich anschließend weiter auf seine Promotion.