Visionäre KI aus den 1980er Jahren
Wie wurde KI gedacht, bevor es das Internet gab? Und was können wir von diesen Konzepten heute lernen? Das ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe feiert das 40-jährige Jubiläum des Parallelrechners „Connection Machine“ (CM) und würdigt seinen Beitrag zur heutigen KI- und Supercomputing-Landschaft. Ab dem 25. März ist ein Exemplar des Modells CM-2 im Foyer des ZKM ausgestellt. Begleitet wird die Installation von einer interdisziplinären Konferenz, die sich dem vergessenen Erbe der Connection Machine widmet.
Installation
Connection Machine CM-2
Der Traum von einem elektronischen Gehirn
25. März – 2. August 2026
ZKM | Foyer, Eintritt frei
Die Connection Machine gilt als technologische Pionierleistung, die ihrer Zeit um 20 bis 30 Jahre voraus war. Sie ist von der Frage inspiriert, wie Intelligenz im menschlichen Gehirn durch die komplex vernetzte, parallele Verarbeitung von Informationen entsteht.
„Rückblickend betrachtet hätten wir niemals damit begonnen, wenn wir gewusst hätten, wie kompliziert das Projekt werden würde“, so beschreibt der US-amerikanische Computeringenieur W. Daniel „Danny“ Hillis die Entstehung der Connection Machine. Mit seinem Unternehmen Thinking Machines Corporation (TMC) entwickelte er gemeinsam mit einem interdisziplinären Team zwischen 1983 und 1994 drei Versionen der CM. Das erste Modell, die CM-1, war mit 65.000 Prozessoren der erste kommerzielle Supercomputer mit massiv paralleler Architektur und wurde vor genau 40 Jahren auf den Markt gebracht.
Die Connection Machine ist nicht nur ein technologischer Durchbruch, sondern auch ein einzigartiges Designobjekt. Unter der Leitung von Tamiko Thiel bei Thinking Machines wurde ihr abstraktes, unsichtbares Innenleben in eine symbolische Form übersetzt. Zusammen mit dem Nobelpreisträger und Physiker Richard Feynman entstand das ikonische „Cube-of-Cubes“-Motiv. Die mattschwarze Hülle mit über 4000 roten LEDs machte die parallelen Prozesse der Connection Machine sichtbar – ein Bild eines lebendigen elektronischen Gehirns.
Ab dem 25. März ist im Foyer des ZKM ein originales Exemplar des Modells CM-2 zu
sehen, das aus der Sammlung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) stammt, wo es auch rekonstruiert wurde. Anders als bei der Originalversion hat das Publikum vor Ort die Möglichkeit, die LEDs der Connection Machine selbst zu verändern und so mit ihr zu interagieren.
Das visuelle Design der Maschine ist dabei ebenso bemerkenswert wie ihre technische Leistung. Prof. Dr. Michael Beigl, Professor für Pervasive Computing Systems / TecO am KIT, beschreibt es so: „Die CM-2 hat eindrucksvoll gezeigt, wie gestalterisches Design die inneren Abläufe eines Computers sichtbar und verständlich machen kann. Ihre ikonische, oft als ,elektronisches Gehirn’ bezeichnete Architektur übersetzte abstrakte Konzepte wie massive Parallelität in eine räumlich erfahrbare Form und prägte damit sowohl das wissenschaftliche Denken als auch die öffentliche Wahrnehmung von Rechenprozessen. Heutige KI-Systeme, insbesondere große Sprachmodelle, verfügen bislang über keine vergleichbar anschaulichen Darstellungen ihrer inneren Funktionsweisen. Die CM-2 dient daher bis heute als Referenz dafür, wie Visualisierung zwischen technischer Komplexität und breiter Verständlichkeit vermitteln kann.“
Konferenz
Visionäre KI: Das vergessene Erbe der Connection Machine
27.–28. März 2026
ZKM | Medientheater & online (www.zkm.de/cm2)
Ergänzend zur Installation beleuchtet die Konferenz den weitreichenden Einfluss der CM und würdigt sie als visionäre Technologie, die die heutige KI- und Supercomputing-Landschaft maßgeblich prägte.
Trotz des weitreichenden Einflusses blieb die prägende Rolle der Connection Machine in der Geschichte der KI und des Hochleistungsrechnens weitgehend unbeachtet. Und nicht nur die Maschine selbst war bedeutsam, auch die Expertise ihrer Entwickler:innen floss nach der Insolvenz von TMC in einflussreiche Technologiekonzerne ein, so etwa in Google Search, Google AI, Nvidia oder Amazon Web Services.
Internationale Expert:innen sowie Entwickler und Designer:innen der Maschine widmen sich auf der Konferenz der technologischen Komplexität der CM und der Ästhetik ihres Designs sowie ihrem kulturellen Einfluss und der heutigen KI-Landschaft.
Eine zentrale Frage dabei: Warum gerieten die Errungenschaften dieses seiner Zeit so weit vorausgreifenden Supercomputers in Vergessenheit? Vorträge und Paneldiskussionen bieten einen Blick auf die heutige KI-Landschaft und beleuchten den Einfluss der CM auf Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft.
Organisiert wird die Konferenz vom ZKM | Karlsruhe, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sowie von der CM-Designerin und Künstlerin Tamiko Thiel. Alle Konferenzbeiträge sowie weiterführendes Material werden im Anschluss in einem dauerhaft zugänglichen digitalen Archiv für die Öffentlichkeit bereitgestellt.