Wegbereiter des wissenschaftlichen Rechnens verstorben
Das Karlsruher Institut für Technologie, das Scientific Computing Center, die KIT-Fakultät für Informatik und das Institut für Programmstrukturen und Datenanalyse trauern um
Professor em. Dr. rer. nat. Adolf Schreiner
der am 11. März 2026 im Alter von 96 Jahren verstorben ist.
Mit Professor Adolf Schreiner verliert das KIT sowie die wissenschaftliche Gemeinschaft eine Persönlichkeit, die über Jahrzehnte hinweg die Entwicklung der universitären IT‑ und Hochleistungsrecheninfrastruktur nachhaltig geprägt hat.
Geboren 1929 in München, studierte Schreiner Mathematik und Physik und legte 1953 sein Staatsexamen ab. Nach einem Referendariat und einer Tätigkeit als wissenschaftlicher Assistent an der TU München promovierte er 1959 im Bereich der kinematischen Differentialgeometrie – eine fundierte mathematische Ausbildung, die sein analytisches Denken in Forschung, Systemanalyse und IT‑Infrastrukturplanung nachhaltig prägte.
Nach ersten beruflichen Stationen in der Industrie kehrte Schreiner Anfang der 1970er‑Jahre an die Universität zurück. 1972 übernahm er die Leitung des Rechenzentrums der TH Karlsruhe – in einer Phase, in der sich mit der Gründung der Fakultät für Informatik zugleich ein neues wissenschaftliches Feld etablierte. Als Professor mit dem Schwerpunkt auf Großrechenanlagen brachte er seine technische Expertise und seine analytische Perspektive ein und wirkte eng an einer sich formierenden Informatik mit.
Adolf Schreiner führte das Rechenzentrum über 25 Jahre mit strategischer Weitsicht, wissenschaftlicher Präzision und außergewöhnlicher Gestaltungsfähigkeit. Unter seiner Leitung entstand eine moderne, leistungsfähige IT‑Infrastruktur, die die Forschungslandschaft des Campus über Jahrzehnte hinweg prägte. Er verantwortete die Einführung und Weiterentwicklung mehrerer Generationen von Hochleistungsrechnern – vom frühen Vektorrechnen bis zu den IBM‑Clustersystemen der 1990er‑Jahre – und begleitete grundlegende Entscheidungen zum Ausbau zentraler Rechenkapazitäten. Seine Überlegungen zur Organisation universitärer Rechenzentren, zur Rechenbedarfsplanung und zur langfristigen Entwicklung wissenschaftlicher IT‑Strukturen fanden Eingang in zahlreiche Veröffentlichungen und prägten die Diskussionen der deutschsprachigen Informatikcommunity.
In den 1990er‑Jahren setzte Schreiner zudem wichtige Impulse zur Förderung der deutschen Softwareentwicklung. Die von ihm initiierten Softwarewettbewerbe legten den Grundstein für das Programm „Multimedia Transfer (MMT)“, das über mehr als ein Jahrzehnt hinweg innovative Projekte im Bereich Medieninformatik und Softwareentwicklung auszeichnete und nachhaltig wirkte.
Zur Emeritierung 1997 ehrte die Universität ihn mit der Einweihung eines neuen 256‑Knoten‑Höchstleistungsrechners – ein symbolträchtiger Moment in einer Karriere, die wie kaum eine andere mit dem Ausbau wissenschaftlicher Rechenleistung verbunden war.
Auch über seine aktive Dienstzeit hinaus blieb er der Informatik eng verbunden: Als einer der Gründungsstifter der Begabtenstiftung Informatik setzte er sich dafür ein, talentierte Studierende zu unterstützen und die nächste Generation wissenschaftlicher Nachwuchskräfte zu fördern – eine konsequente Fortsetzung seines jahrzehntelangen Engagements für die Entwicklung der Informatik in Karlsruhe und darüber hinaus.
Professor Adolf Schreiner bleibt als Wissenschaftler, Hochschullehrer und als einer der prägenden Köpfe der frühen deutschen Informatikinfrastruktur in Erinnerung. Sein Wirken hat das Fundament mitgestaltet, auf dem das KIT bis heute aufbaut.