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Bundesverdienstkreuz für Prof. em. Dr.-Ing. Detlef Schmid

Bundesverdienstkreuz für Prof. em. Dr.-Ing. Detlef Schmid
Autor:

Silke Natzeck
Öffentlichkeitsarbeit
Fakultät für Informatik
Tel.: +49 721 608 8660 
Fax.: + 49 721 697 760
E-Mail: natzeck@ira.uka.de

Datum: 16.02.2009

Der Gründer
Informatik-Professor Detlef Schmid erhält das Bundesverdienstkreuz


Professor Detlef Schmid erhält das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Der baden-württembergische Wissenschaftsminister Peter Frankenberg überreicht dem 74-Jährigen die Auszeichnung am Freitag, 27. Februar, 14 Uhr, im Hörsaal -101 der Fakultät für Informatik (Am Fasanengarten 5, Geb. 50.34).


Vor seinem Studium der Elektrotechnik erlernte und praktizierte Schmid den Beruf eines Uhrmachers. Das hat die Arbeitsweise des späteren Informatikers geprägt: „Ich beschäftige mich mit Problemen bis ins Detail – mit allen Vor- und Nachteilen, die damit verbunden sind“. In Karlsruhe beförderte diese Qualität einen steilen Aufstieg: vom preisgekrönten Diplom 1963 über die Promotion 1968 bis zur Berufung als Professor 1972. Dass Schmid es attraktiv fand, in Karlsruhe zu bleiben, hatte entscheidend mit dem Einfluss von Karl Steinbuch zu tun, dessen wissenschaftlicher Assistent Schmid sieben Jahre war. Der große, 2005 verstorbene Nachrichtentechniker gilt heute als Pionier der Informatik. Dank Steinbuch, so Schmid, „bot Karlsruhe ein besseres, offeneres Umfeld für die Entstehung der Informatik als Wissenschaft als andere Standorte in Deutschland, die ebenfalls an der Entwicklung der Informatik sehr interessiert waren“.


Und diese Entwicklung gestaltete Schmid an entscheidender Stelle mit. 1972 wurde er Dekan der neu gegründeten Fakultät für Informatik an der Universität Karlsruhe, die als erste in Deutschland Diplom-Informatiker ausbildete. Nach außen genoss sie rasch hohes Ansehen – innen aber hatte sie es als Newcomer unter etablierten Fakultäten schwer. „Wir konnten uns nicht auf Tulla oder ähnliche große Vorgänger berufen“, schmunzelt Schmid, „wir mussten uns erst einmal durchsetzen“. Das gelang ihnen nicht zuletzt, weil ihnen der damalige Ministerpräsident Lothar Späth und die Universitätsleitung um Heinz Draheim wohlgesonnen waren.


Zugleich aber spürten Schmid und seine Mitstreiter den Reiz des Neuen: Sie gaben der Fakultät eine moderne Struktur, sie legten Wert auf eine vorzügliche Ausstattung und eine intensive Betreuung der vom Start weg etwa 600 Studierenden. Jedes Jahr präsentierten sie einen umfassenden Bericht über die geleistete Arbeit in Forschung und Lehre, den sie an einen großen Kreis verteilten. „Wir wollten national und international zeigen, was wir geleistet haben.“

Später führte er die Fakultät noch einmal fünf Jahre an – mit dem Ehrgeiz, ihre Spitzenposition auszubauen und Probleme zu überwinden, die auch mit einer neuen Strategie des Landes zu tun hatten. Das Land habe seinerzeit, so Schmid, Karlsruhe 15 Wissenschaftlerstellen gekürzt, um Kapazitäten für den Aufbau einer Technischen Informatik an der Universität Mannheim zu haben. Mannheim habe zwar einen hervorragenden Ruf in den Wirtschaftswissenschaften, habe aber eben keine technische Ausrichtung. „Das ist, wie wenn Sie am Nordpol Ananas züchten wollen“, moniert Schmid auch heute noch diese politische Entscheidung des Landes. Schmid gewann die Universitätsleitung dafür, einen Teil der Karlsruher Stellen aus ihrem Etat zu bezahlen und so die Kürzung erträglich zu gestalten.


Erneuerer in Forschung und Lehre


Woraus er stets Kraft schöpfte, war die Überzeugung, dass es zur Durchdringung des Lebens mit Informatik keine Alternative gibt: „Nur so können wir es bewältigen.“ So zögerte er auch nicht lange, als ihm nach dem Fall der Mauer ein Kollege aus Dresden vorschlug, den ersten Sonderforschungsbereich in den Neuen Bundesländern zu initiieren. Zwei Jahre arbeitete er an dessen Aufbau mit. „Das war wichtig für die Informatik in den neuen Bundesländern“, sagt Schmid, der danach sieben Jahre mit einem großen Kreis von Forschungsgruppen aus den alten und neuen Bundesländern in diesem Sonderforschungsbereich forschte.


Die Zeichen der Zeit zu erkennen und neue Entwicklungen aktiv mitzugestalten – das zeichnete Detlef Schmid auch an der Universität Karlsruhe aus. Er gehörte zu den Gründern des Instituts für Angewandte Kulturwissenschaft, drei Jahre war er dessen Geschäftsführender Direktor. „Mir war klar, dass die Ausbildung breiter sein musste, dass vor allem Soft Skills eine wichtige Rolle spielen“, so Schmid. Auch das Forschungszentrum Informatik brachte er mit auf den Weg: „Wir wollten enger mit der Industrie kooperieren und suchten dafür nach einer besseren Organisationsform“. Schließlich stieß er 1973 auch die Gründung des Fakultätentages Informatik an – „mit dem Ziel, die Lehrpläne zu vereinheitlichen“. Auch da überwand Schmid eine Reihe von Widerständen: Zu der Zeit habe die Politik der Informatik keine Selbstständigkeit zubilligen wollen – und wissenschaftliche Nachbarn wie die Elektrotechnik oder die Wirtschaftswissenschaften genauso wenig.


Schmid war sechs Jahre lang Mitglied im Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft. In seiner eigenen Forschung konzentrierte er sich auf den Entwurf von Rechnern – das Institut, das er mit aufbaute und leitete, hieß „Rechnerentwurf und Fehlertoleranz“. Er erkannte, wie die Informatik angesichts der stetig komplexer werdenden Informationstechnologie auch neue Perspektiven bot. „Die normalen Werkzeuge reichten nicht mehr aus – es brauchte neue Entwurfsmethoden“. Schmid hat es oft bedauert, dass eine der wenigen Gründungsideen, die er nicht realisieren konnte, sich um eine „Geistesschule der Entwurfsmethodik“ drehte.

Große Erfolge feierte Schmid auf dem Gebiet der High-Level-Synthese. Dabei geht es um die automatische Synthese von Schaltungen über eine Programmiersprache als Entwurfswerkzeug. „Das Verfahren hat sich durchgesetzt“, freut sich Schmid – auch weil es bei komplexen Vorgängen allen bisherigen Ansätzen überlegen ist. Auch die Überprüfung von Hardware auf ihre richtige Funktion mit mathematischen Verfahren – die sogenannte Hardwareverifikation ­­- hat Schmid verbessert. Für sein Lebenswerk in Forschung und Lehre auf dem Gebiet Electronic Design Automation (EDA) verlieh das edacentrum, eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützte Einrichtung, Schmid 2004 die EDA-Medaille. (ele)