Fakultät trauert um Professor Gerhard Goos

Das Karlsruher Institut für Technologie, die KIT-Fakultät für Informatik und das Institut für Programmstrukturen und Datenorganisation trauern um

Professor em. Dr. Dr. h.c.  Gerhard Goos

der am 20.04.2020 im Alter von 82 Jahren verstorben ist.

 

Mit Professor Gerhard Goos verliert die KIT-Fakultät für Informatik eine ihrer bedeutendsten Persönlichkeiten und die deutsche Informatik einen ihrer größten Pioniere.


Professor Gerhard Goos begleitete die ersten Schritte der deutschen Informatik wie kaum ein zweiter, und nicht wenige hochrangige Institutionen verdanken ihre großartigen Entwicklungen in den vergangenen Jahrzenten seinem Engagement. Der gebürtige Nürnberger war der erste Informatik-Professor, der auf den Lehrstuhl für Informatik – damals noch an der Fakultät für Mathematik der Universität Karlsruhe (TH) – nach Karlsruhe berufen wurde. In seinen ersten Jahren als Lehrstuhlinhaber leistete er einen wesentlichen Beitrag zur Gründung der deutschlandweit ersten Informatikfakultät im Jahr 1972 und gestaltete so von Karlsruhe aus den Beginn der flächendeckenden Informatikforschung in Deutschland. Auch in seiner Funktion als Vorsitzender des Sachverständigenausschusses „Überregionales Forschungsprogramm Informatik des Bundesministeriums für Forschung und Technologie“, das die finanzielle Ausstattung der Informatik an Hochschulen der Bundesrepublik steuerte, war er ein wesentlicher Treiber der Etablierung der Informatik in der deutschen Hochschullandschaft.

 

Professor Gerhard Goos
Die Familie hat eine Gedenkseite für Professor Goos eingerichtet auf der digital kondoliert werden kann.


Im Jahr 1984 war Gerhard Goos einer der Initiatoren des FZI Forschungszentrums Informatik, einem weiteren Meilenstein der Informatik in Karlsruhe, wo er als Direktor den Forschungsbereich Software Engineering leitete. Sein Gründertun beschränkte er jedoch nicht nur auf Deutschland: In Berkeley war er an der Gründung des International Computer Science Institute (ICSI) beteiligt, einem unabhängigen Labor, das Grundlagenforschung im Bereich der Informatik betreibt.
Daneben war Goos Mitgründer vieler weiterer namhafter Forschungs- und Facheinrichtungen wie der Gesellschaft für Informatik (GI) oder der Lecture Notes in Computer Science (LNCS).

Goos befasste sich in seiner Karriere insbesondere mit der Übersetzungstechnologie und Codeerzeugung, den formalen Methoden in der Software-Konstruktion und der Restrukturierung und Sanierung objektorientierter Software. Er entwarf und implementierte den ersten europäischen ADA-83 Compiler, die Sprache Sather-K sowie wegweisende Verfahren zur Codeoptimierung. Zudem war er als Vorstands- und Aufsichtsratsmitglied verschiedener Institutionen und Gremien tätig und war bis zuletzt Autor und Herausgeber zahlreicher Fach- und Lehrwerke.

 

Professor Goos auf den Feierlichkeiten zu 50 Jahre Informatikstudium
"Der Rechner ist ein Vollidiot mit Spezialbegabung ...".
Professor Goos hielt mit seiner Meinung nie hinterm Berg, versetzte diese aber immer mit einer Prise Humor. In seiner Rede zu den Feierlichkeiten "50 Jahre Informatik" am 19.06.2019 zitierte er nochmals seinen bis heute gültigen Satz aus seiner ersten Vorlesung im Jahr 1962. (Bild: Andreas Drollinger, KIT)

 

Auch nach seiner Emeritierung im Jahr 2005 war Goos um die Weiterentwicklung der Informatik bemüht und für unsere Fakultät immer ein gefragter Ansprechpartner.
So konnte Goos auf eine Vielzahl an Erfolgen und Ehrungen zurückblicken, zuletzt wurde er im November 2019 zum Fellow der International Federation for Information Processing (IFIP) ernannt. Noch im Sommer 2019 begeisterte er bei den Feierlichkeiten zu „50 Jahren Informatikstudium“ ein nationales Publikum mit seinen Ausführungen zur Entwicklung seines Fachs. Anlässlich seines 80. Geburtstages im Jahr 2018 wurde der größte Hörsaal des Informatikgebäudes auf dem KIT Campus Süd in „Gerhard-Goos-Hörsaal“ umbenannt.

Unsere Gedanken und unser tief empfundenes Mitgefühl sind in diesen schweren Zeiten bei seiner Familie und seinen Angehörigen. Seinen Verdiensten und seiner Persönlichkeit werden wir immer ein besonderes Andenken erhalten.